Trauma
Der Begriff „Trauma“ stammt aus dem griechischen und bedeutet zunächst einmal nichts anderes als „Wunde“.
Dies kann eine körperliche, aber auch eine psychische Verletzung sein.
In diesem Beitrag geht es um eine psychische Traumatisierung
und die daraus resultierende posttraumatische Belastungsstörung (kurz: ptbs,
engl. Ptsd).
Um die Begrifflichkeit direkt zu klären: aus einem traumatischen Ereignis KANN
eine ptbs entstehen, das passiert jedoch nicht immer. Je nachdem wie ein Trauma
verarbeitet wird und wie psychisch stabil die betroffene Person ist, ist es
durchaus möglich, eine Traumatisierung zu erleben, ohne eine anschließende Belastungsstörung
zu entwickeln.
Das wirft zwei Fragen auf:
1. Was versteht man überhaupt unter einem traumatischen Erlebnis und
2. Ab wann spricht man von einer ptbs?
Als Trauma definiert man grundsätzlich erst einmal alles,
was „anormal“ ist und worauf ein Mensch mit angebrachten heftigen Emotionen zum
Beispiel wie Angst reagiert, weil das Ereignis häufig (wenn auch nicht immer)
mit einer Bedrohung für Leib und Leben einhergeht. Hierzu zählen unter anderem
Autounfälle, Naturkatastrophen und Gewalterfahrungen jeglicher Art; aber auch
der Tod einer geliebten Person wird als Trauma bezeichnet.
Die aus einem Trauma folgenden Verhaltensweisen und Symptome können unter
anderem Gefühlstaubheit, Vermeidung bestimmter Situationen oder auch
„chronische Übererregung“ sein. Das bedeutet, ständig auf der Hut zu sein,
seine Umgebung genauestens zu überwachen und nach Gefahrensituationen
abzusuchen und im Allgemeinen rastlos zu sein.
Halten diese Symptome länger als vier Wochen an, spricht man von einer
posttraumatischen Belastungsstörung, nach drei Monaten von einer chronischen
ptbs.
Ich habe in meinem Leben mehrere traumatische Erfahrungen
gemacht, von denen ich einige gut, andere wiederum weniger gut „weggesteckt“
habe.
Hier möchte ich nun anhand meiner persönlichen Erfahrung beschreiben, wie der Verlauf
vom Trauma in die chronische Belastungsstörung aussehen kann. Das ist natürlich
bei jedem anders, allerdings gibt es sicherlich auch diverse Parallelen
zwischen meinen Erfahrungen und denen anderer Betroffener.
Ich habe vor einigen Jahren eine sehr schlimme
Gewalterfahrung machen müssen, von der ich mir nicht sicher war, ob ich sie
überleben würde. Da ich anschließend noch über mehrere Wochen gezwungenermaßen
Kontakt zu der Person hatte, die mir das angetan hat, habe ich anfangs
versucht, meine Erinnerungen mittels Drogen auszulöschen und meine Gefühle soweit
zu unterdrücken, dass ein Weiterleben zunächst möglich ist.
Erst hinterher, als diese Phase meines Lebens vorbei war und ich allmählich in
einer psychiatrischen Einrichtung zur Ruhe kam, fing mein Gehirn an, das
Erlebte einsortieren zu wollen. Ich war nun nicht mehr in einer für mich
bedrohlichen Situation, in der ich permanent Angst hatte und lediglich
versuchte, meine Situation nicht zusätzlich noch zu verschlimmern. Ich trennte
mich während meiner Zeit in der Klinik von dem Mann und brach jeglichen Kontakt
ab. Zudem blockierte ich ihn auf den sozialen Medien und änderte meine
Handynummer.
Nun war ich also befreit. Physisch zumindest. Denn genau in dem Moment, als ich
jegliche Verbindungen kappte, fing ich an, innerlich wahnsinnig zu werden:
Ich wurde von einer auf die andere Sekunde paranoid und
bekam Panik. Nachts konnte ich plötzlich nicht mehr schlafen, weil die Dunkelheit
mir Angst machte. Was, wenn er nun die Gelegenheit nutzte, um mich zu suchen?
Was, wenn er zu mir kommt, während ich schlafe?
Ich war noch in der Klinik und ließ mir ein Beruhigungsmittel verschreiben. Die
Gedanken wurden nur unwesentlich besser, sodass ich anfing, mich vor meinen
Mitpatienten und dem Personal völlig zu verschließen. Ich sprach nicht über
das, was mir passiert war.
Und hier sind direkt die ersten beiden Fehler bei der
Traumabewältigung:
Ich habe angefangen, meine Gefühle zu betäuben und gleichzeitig aufgehört, sie
mit anderen zu teilen. Das ist ein ziemlicher Garant dafür, dass man eine ptbs
entwickelt. Gefühle sind da, um gefühlt zu werden. Alles andere macht die Seele
krank (das gilt im Übrigen nicht nur für das Thema Trauma, sondern generell).
Ich wurde dann nach einigen Wochen entlassen und zog in eine
WG. Nun nicht mehr unter ständiger Beobachtung verschlimmerten sich meine
Symptome. Ich hatte mehr Angst, war anfälliger für paranoide Gedankengänge und
wurde von sogenannten Flashbacks heimgesucht. Das heißt, dass das Erlebte sich
immer wieder vor meinen Augen abspielte, und zwar so heftig, dass ich dieselben
Schmerzen und Todesängste hatte wie in der ursprünglichen Situation. Ich erlebte
mein Trauma also immer wieder neu.
Als es zu schlimm wurde, entschloss ich mich, doch darüber zu sprechen. Ich bin
ja nun auch kein „Neuling“ mehr im Bereich der psychischen Erkrankungen gewesen
und wusste, dass es eine schlechte Sache ist, sich zu verschließen. Parallel
dazu begann ich, meine Erfahrungen aufzuschreiben, in der Hoffnung, sie so
besser verarbeiten zu können.
Tatsächlich leide ich noch immer unter diesem Trauma und
habe es bis heute nicht vollständig verarbeitet, auch wenn ich in den letzten
Jahren einiges dafür getan habe. Insgesamt aber ist es deutlich besser
geworden. Die Flashbacks haben irgendwann aufgehört und meine Angst, er könne doch
noch einmal auf mich zukommen und zu Ende bringen, was er in dieser Nacht
begann, verblasste – auch wenn sie aktuell manchmal wieder zum Vorschein kommt,
weil ich mich seit einigen Wochen im Zuge meiner 2024 bevorstehenden
Buchveröffentlichung sehr verstärkt öffentlich im Internet zeige.
Es hat einige Jahre gebraucht, bis ich die körperlichen
Phantomschmerzen nicht mehr spürte (bitte, wenn ihr nach einem Übergriff
regelmäßig Schmerzen habt, lasst das abklären! Ich habe mich untersuchen lassen
und mir wurde bestätigt, dass ich körperlich keine Folgeschäden habe).
Noch heute allerdings höre ich in einigen Situationen seine Stimme. Es gibt
bestimmte Wörter oder Wortkombinationen, die in mir etwas auslösen.
Die Erinnerungen sind noch da, und es gibt Dinge, die mich
seither begleiten. Ich kann seit seinem Übergriff zum Beispiel keine größeren Tabletten
mehr schlucken und wenn ich (zu lange) die Luft anhalte, sehe ich sein Gesicht.
Aber ich habe es geschafft, für mich einen Abschluss zu finden. Ich habe
gelernt, damit zu leben und mich nicht mehr negativ von meinen Erfahrungen
beeinflussen zu lassen. Ich bin noch immer überaus schreckhaft und zucke viel
zu schnell zusammen, weil mein Kopf mir weismachen will, dass etwas schlimmes
passiert, doch ich nehme das inzwischen mit Humor.
Ich habe eine Therapie gemacht und in diesem Rahmen
zusätzlich gelernt, mit der Situation umzugehen und belastende Gedanken in etwas
positives zu wandeln.
Jedem, der ein Trauma erlebt hat, kann ich nur raten,
darüber zu sprechen. Sucht euch die Hilfe, die ihr braucht und nehmt euch die
Zeit, die sich für euch richtig anfühlt.